Wein

Die besten Weinbars in Berlin – Naturwein, Sekt und kleine Teller

Naturwein im Reuterkiez, 70 deutsche Schaumweine in Schöneberg, Sharing-Teller in Charlottenburg: Berlins Weinbar-Szene ist erwachsen geworden.

Wein in Berlin war lange entweder Weinhandlung mit zwei Stehtischen oder Restaurant mit dicker Karte. Dazwischen ist in den letzten Jahren genau das entstanden, was gefehlt hat: Bars, in denen das Glas im Mittelpunkt steht, die Beratung ohne Vorwissen funktioniert und die Küche das Glas begleitet statt umgekehrt.

Zehn Adressen, an denen das gerade besonders gut funktioniert.

Material – Café bis nachmittags, dann Naturwein

Prenzlauer Berg · CaféMaterialAuf die Map

Material an der Schönhauser Allee verschiebt sich im Tagesverlauf: tagsüber Specialty-Café, ab dem Nachmittag Naturweinbar mit spanischem Schwerpunkt. Die Auswahl an der Wand ist persönlich kuratiert – die Produzenten sind dem Haus bekannt, die Croquetas entstehen aus dem Brot von gestern.

Beim Wein simpel anfangen: Farbe nennen, zwei offene Gläser probieren, dann entscheiden. Für etwas Eigenwilliges nach dem Baskenland fragen.

jaja – Naturwein im Reuterkiez

Neukölln · WeinbarjajaAuf die Map

jaja in Neukölln ist die Naturwein-Bar, an der man die Kategorie lernen kann: über 50 Positionen auf der Tafel überm Tresen, der Großteil offen im Glas – ungewohnte Stile lassen sich an einem Abend durchprobieren. Dazu kleine, saisonale Teller aus Produkten naher Erzeuger, als Begleitung zum Glas gedacht, nicht als Hauptgang.

Der Raum ist eng, die Tische niedrig, abends füllt es sich schnell – reservieren. Und sich auf eine Empfehlung aus dem offenen Ausschank einlassen.

Der Weinlobbyist – die Sektkarte der Stadt

Schöneberg · WeinbarDer WeinlobbyistAuf die Map

Der Weinlobbyist an der Kolonnenstraße gehört Sommelier Serhat Aktas, einem der Top-50-Bundessommeliers – er war bei jeder Winzerin und jedem Winzer auf der Karte persönlich. Deutsche und österreichische Gewächse, dazu die vielleicht meistdiskutierte Sektkarte der Stadt: rund 70 deutsche Schaumweine, kleine Lagen-Cuvées neben großen Häusern.

Im Sommer den mediterranen Innenhof ansteuern – das versteckte Kleinod hinter der Kolonnenstraße. An der Theke gibt es die Storys zum Glas gratis dazu.

Bottega Seppel – Charlottenburger Wohnzimmer

Charlottenburg · WeinbarBottega SeppelAuf die Map

Bottega Seppel in der Wielandstraße kombiniert Kiezrestaurant und Weinbar: unverputzte Wände, Kerzenlicht, gespendete Stühle mit Namensschildern. Rund 80 Weine quer durch Europa schlagen die Brücke zwischen Naturwein und Klassikern, die Karte läuft als kleine Teller zum Teilen – Rindertatar mit Nori-Mayo, Pommes mit Trüffel, sizilianische Oliven.

Zwei, drei kleine Teller pro Person und ein Glas dazwischen tragen weiter als ein Hauptgang solo.

Estelle – Steinofen trifft Naturwein

Prenzlauer Berg · WeinbarEstelleAuf die Map

Rebecca und Jared Bassoff – Stationen bei Traube Tonbach, Four Seasons London und fünf Jahre unter Pierre Gagnaire in Hongkong – führen mit Estelle in der Kopenhagener Straße ihr erstes eigenes Haus. Im Zentrum ein 700-Kilo-Gozney-Steinofen, die Karte läuft als Sharing-Menü im Family-Style, Naturwein dazu.

Das Sauerteig-Focaccia mit Butter als Einstieg ist Pflicht. Die Pizzen aus dem Steinofen sind das ungesagte Signature.

Pluto – 300 Flaschen an der Kastanienallee

Prenzlauer Berg · WeinbarPlutoAuf die Map

Rund 300 Positionen, fast alle selbst importiert, Schwerpunkt biodynamisch und naturnah, dazu Champagner und Bier vom Fass. Die Küche denkt im Pintxo-Format: Käse und hausgemachte Charcuterie, warmes Baguette, eingelegte Muscheln. Rostrote Wände im Mid-Century-Schnitt, langer Tresen, drei Räume nach hinten — reserviert wird bewusst nicht.

An der Theke fragen, welche Flasche gerade frisch geöffnet ist — vieles läuft glasweise, die Empfehlungen wechseln mit dem Abend.

Freundschaft – der 26-Meter-Tresen in Mitte

Mitte · BarFreundschaftAuf die Map

Im Keller eines Altbaus an der Mittelstraße läuft ein 26 Meter langer Eichentresen durch den Raum, dahinter rund 500 Flaschen mit Schwerpunkt Österreich und Frankreich, dazu fünfzehn bis zwanzig wechselnde offene Weine. Musik kommt ausschließlich vom Plattenspieler, Cocktails gibt es nicht — eine Weinbar für Trinker, die wissen, was sie wollen.

Die Spinatknödel klingen nach Beilage, sind aber das, was am Ende des Abends noch fehlt.

ORA – Weinbar in der alten Apotheke

Kreuzberg · WeinbarORA Restaurant & Wine BarAuf die Map

Weinbar und Restaurant in einer Apotheke aus dem 19. Jahrhundert am Oranienplatz — Holzverzierungen, Stuck aus zwei Epochen, Apothekerflaschen im massiven Tresen. Alan Micks (ex Michelberger) kocht nach Markt und Tag, Sommelière Emily Harman zieht Winzer aus Regionen, die selten auf Berliner Karten auftauchen.

Drei Gänge laufen für 42 Euro, das Eton Mess ist längst Signature — die Weinbegleitung dem Haus überlassen statt selbst zu raten.

Le Balto – hell und reduziert im Reuterkiez

Neukölln · WeinbarLe BaltoAuf die Map

Ein paar Schritte vom Hermannplatz: langes Buchregal, dezente Deckenmalerei, kuratierte Naturweine aus kleineren europäischen Regionen — manche vom Fass, andere aus der Flasche. Der Service fragt lieber, was man mag, statt Standard-Empfehlungen zu geben; dazu kleine Teller wie Whitefish-Salat auf geröstetem Challah.

Nach dem fragen, was gerade frisch aufs Fass gekommen ist — ein Probierschluck kommt meist vor dem vollen Glas.

Sardinen Bar – Jahrgangsdosen in Schöneberg

Schöneberg · WeinbarSardinen BarAuf die Map

Ein schmales Bistro, dessen Karte sich wie eine Weinliste liest — nur dass die Jahrgänge auf Dosen stehen: rund hundert Sorten Sardinen, Makrelen und Thunfisch, ausschließlich aus dem Atlantik. Die frisch geöffnete Dose kommt aufs magnetische Holzbrett, dazu Baguette, Salat als Gaumenreiniger und eine Weinkarte mit Zug nach Portugal.

Zur ersten Dose einen Dão bestellen, dann eine zweite Sorte gegenpaaren — der Salat dazwischen setzt den Gaumen sauber zurück.

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