
Die besten Italiener in Berlin – jenseits der Pizza
Permakultur-Garten in Rixdorf, Tagestafel in Charlottenburg, sardisches Lamm an der Spree: Berlins italienische Küche kann viel mehr als Margherita.
Italienische Restaurants gibt es in Berlin an jeder zweiten Ecke. Die Frage ist nicht, ob man einen Italiener findet – sondern welchen man sich merkt. Die Spanne reicht vom Nachbarschafts-Ristorante, das einfach verlässlich gut kocht, bis zum Permakultur-Garten, aus dem die Wildkräuter direkt auf den Teller wandern.
Sechs Adressen, die hängen bleiben. (Die besten Pizzerien der Stadt sind ein eigenes Kapitel – hier geht es um alles andere.)
Osteria Centrale – die Tafel entscheidet
Osteria Centrale in der Bleibtreustraße sieht so unaufgeregt aus, dass man fast vorbeiläuft. Drinnen regiert die Familia, der Service spricht echtes Italienisch, und der eigentliche Plan steht auf der großen Tafel: täglich wechselnde Gerichte, frisch eingekauft. Dazu ein zarter Pulpo und eine Weinauswahl, die trägt.
Vor der Karte erst zur Tafel schauen – dort steht, worauf die Küche an dem Abend wirklich Lust hat. Reservieren lohnt; Stammgäste würden den Laden lieber für sich behalten.
Café Botanico – aus dem eigenen Garten
Hinter der begrünten Fassade von Café Botanico in Rixdorf liegt ein Permakultur-Garten mit über 200 essbaren Pflanzen – nach eigener Auskunft der einzige zertifizierte Bio-Garten in Berlins Innenstadt. Die Wildkräuter pflückt Inhaber Martin Höfft täglich für den Abendservice, am Herd stehen zwei italienische Köche. Signature: Ragout vom Havelland-Wildschwein auf Kartoffel-Selleriepüree.
Mehrmals im Jahr führt Höfft selbst durch den Garten – knapp eine Stunde, danach Terrasse mit Kräuterlimonade.
Katerschmaus – sardisches Lamm an der Spree
Katerschmaus auf dem Holzmarkt-Areal ist erwachsen geworden: zurück am Spreeufer, jetzt im Fine-Dining-Modus, präzise zwischen Crossover und klassischer Technik. Viergängige Menüs in den Spuren Fleisch, Fisch und vegetarisch, dazu à la Carte. Die Signatur: sardisches Lamm aus dem Ofen mit Tomatengnocchi.
Im Sommer die Holzdielen-Terrasse zur Spree bei Sonnenuntergang reservieren – und das Lamm statt des Fischgangs nehmen.
Manzini – Kaffeehaus auf Italienisch
Manzini an der Ludwigkirchstraße holt den Wiener Kaffeehaus-Gedanken nach Berlin und hält von früh bis spät offen: weiße Tischdecken, alte Fotografien, kleine Tische dicht an dicht. Morgens Frühstück, mittags Pasta, abends die Italo-Linie – mit Wiener Schnitzel als geduldetem Grenzgänger.
Vormittags reinsetzen, Zeitung dazu – das Haus läuft auf diesem Tempo am besten.
Oliveto – der Nachbarschafts-Italiener
Oliveto im Reuterkiez kocht italienische Klassiker ohne Inszenierung: eine Carbonara, wie man sie sich an einem entspannten Abend wünscht, lange Tische, Familien und Freund:innen durcheinander. Wohlfühlküche, die nichts beweisen muss.
Täglich von 12 bis 23 Uhr durchgehend offen – perfekt für den späten Lunch nach dem Spaziergang durch den Kiez.
Piazza Bra – Verona am Ku'damm
Piazza Bra am Kurfürstendamm macht Klassiker statt Moden: hauchdünne Pizza, Pasta, saisonale Tagesgerichte, wie sie die Nonna servieren würde. Karierte Tischdecken, lange Fensterfront, im Sommer unzählige Tische auf der Straße.
Pizza Funghi, ein gut gekühlter Pinot Grigio, Tiramisu zum Abschluss – draußen sitzen und Charlottenburg vorbeiziehen lassen.
Fazit
Italienisch ist in Berlin keine Küche, sondern ein Spektrum – vom Wildkräuter-Garten bis zur Tagestafel, vom Spree-Ufer bis zum Ku'damm. Was die guten Adressen verbindet: Sie kochen für den Abend, nicht für den Auftritt.
